Die Wiege des Perchten-Brauchtums ...



Die Wiege des Perchten-Brauchtums im Unterinntal liegt am breiten Rücken des Angerbergs - schon vor 400 Jahren zogen zum christlichen Nikolaus-Fest in Breitenbach und Angerberg die Perchten - dem älteren, heidnischen Fruchtbarkeitsritus folgend - über die Felder.


Im Gegensatz zum althergebrachten Brauchtum rund um den Angerberg haben es sich in den letzten Jahrzehnten einige Gruppen zum Ziel gemacht, den Brauch weiterzuentwickeln und Figuren hinzuzufügen. Von den Ursprungsgruppen nicht geliebt, treiben nun die Peaschtlpassen von Münster bis ins Sölleukental ihr Unwesen und erfreuen die vielen Zuseher mit teils spektakulären Shows. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um mit Schall und Rauch sowie bengalischen Feuern die Wintergeister milde zu stimmen.Der Grundgedanke des ursprünglichen Brauches ist zwar noch vorhanden, von der Abwicklung her hat es aber damit nur noch wenig zu tun.


Hintergrund:
"Das lautlose Heranschleichen der kleinen Gruppen an die Häuser und das dumpfe, seltsame Tuten der Bockshörner - das Bockshorn ist eines der ältesten Instrumente der Welt und war einst ein heiliger Kultgegenstand - dienen vorerst der Täuschung der bösen Geister und Dämonen. Dann plötzlich stürzen diese Gestalten unter scheußlichem Lärm der Bockshörner, Kuhschellen und Blechtrommeln wild ins Haus hinein und beginnen, gewaltige Sprünge zu vollführen. Je höher und wilder sie mit beiden Beinen gleichzeitig auf Stühle und Tische springen, umso größer die Wirkung, ja umso besser wird das Wachstum sein. Die buckelige Hexe geht vor ihnen her und kehrt mit ihrem Reisigbesen das Böse aus. Früher bedeutete es Unglück, die Peaschtln nicht ins Haus herein zu lassen. Und so ist es auch heute noch der Brauch: niemand versäumt es, diese Glücksbringer zu bewirten und zu beschenken."

Aus: Tiroler Brauchtum von Günther Haas und Brigitte Teutsch